Auf Wiedersehen und herzlichen Dank!

Liebe Küchengartlerinnen und Küchengartler. Ich bedanke mich für euer reges Interesse am selbstversorgenden Garteln und für eure vielen tausend Besuche auf diesem Blog. Ein Jahr ist um. Es war ein schönes Jahr, voller Erfahrungen und Inspiration.

Insgesamt hatte dieses Blog innerhalb eines Jahres 396.000 Views verzeichnet – dass es beinahe 400.000 werden, hätte ich nicht erwartet. Zahlreiche Rückmeldungen und persönliche Emails von Lesern bestärkten mich in meinem Tun, das Küchengarteln hinaus zu euch zu tragen. Denn dieses ist wichtig für uns als Gesellschaft, die zunehmend nicht mehr nach den herkömmlichen Verhaltensweisen funktioniert. Leistungsdruck im Job, gesundheitliche Beeinträchtigungen mit einher gehenden krankheitsbedingten Rückzügen, ein Ansteigen an Teilzeitbeschäftigungen und Projektarbeit zeigen, wir bekommen mehr Zeit für andere Tätigkeiten. Tätigkeiten wie Gartenarbeit, das Reparieren von Geräten, fürs Tauschen, für den Aufbau von Teil- und Schenkökonomien, für Regionalwährungen, … Das sind Tätigkeiten, die an einem Guten Leben für uns alle ausgerichtet sind. Konsum und nur Materielles anzuhäufen ist kein gutes Leben.

Ich folge jetzt meinem Vorbild, Bill Mollision: Permakulturist, Wissenschaftler, Autor. Am 8. April beginnt meine Ausbildung zur Permakulturistin. Meine wissenschaftliche Ausbildung als Geografin hilft mir heute einen soziologisch-ökologischen Blick auf die Welt werfen zu können. Und darüber schreibe ich als freie Autorin gerne.

Ab Herbst wird es bei mir die ersten Workshops geben, um das Anlegen eines Küchengartens zur Selbstversorgung zu lernen. Und zwar aus einer weiblichen Sicht auf die Welt, die ohne massiver Erdbewegungen und eklatanter Eingriffe in den Boden auskommt. Und aus dem etwas macht, was bereits produziert wurde und vorhanden ist. Diesen Dingen eine Neuverwendung zuweist.

Eben gestern fand ich auf einem Schrottplatz ein durchaus noch taugliches Rattanregal, das man mit ein wenig Gartenfolie zu einem Mini-Gewächshaus umbauen hätte können. Um darin Jungpflanzen zu ziehen. Leider ist der Platz für dieses Mini-Gewächshaus noch nicht zu mir gekommen, denn ich bin auf der Suche nach einem kleinen Haus mit großem Garten, einer kleinen Werkstatt dabei, um dort auch handwerklich arbeiten zu können. Der Garten sollte über einen Obstbaumbestand verfügen. Das Haus im Bungalow-Stil wäre ideal mit maximal 90 Quadratmeter. Und das Wichtigste dabei: günstig bitte, günstig und ich kann dort garteln, wie ich es für richtig halte. Also falls ihr etwas wisst, bitte gerne im Email an mich.

Herzlichen Dank nochmals für eure Treue. Die Beiträge dieses Blogs ziehen jetzt auf ein Nachlese-Blog um: http://www.gutesausdemkuechengarten.wordpress.com (Seite mit April online, legt sie euch jetzt schon zu den Favoriten!)

Das Infoportal „Gutes aus dem Küchengarten“ ist bereits online und dient der Hintergrundinformationen rund ums selbstversorgende Küchengarteln, soll also eine Art Speicher des Küchengartenwissens darstellen und werden. Monatlich gibt es einen Newsletter an all jene, die sich auf dieser Seite zum Newsletter-Bezug eintragen.

Wer täglich mit dabei sein will, findet mich und das Küchengarteln auf Facebook. Unsere Gemeinschaftsseite wächst wöchentlich.

Man kann meinen Weg hin vom „Haben zum Sein“ auch auf einem weiteren Blog verfolgen: Simple Leben ist eine Art Blog-Tagebuch, das ich seit 2011 schreibe.

Ich bin zutiefst dankbar, dass ihr mich bei meiner Küchengartlerei ein Jahr lang begleitet habt. Ihr habt dieses Blog mit eurem Interesse erst möglich gemacht. Auch Dank an den Stern, der mir die Möglichkeit zu diesem Blog geboten hat.

Wir sehen uns also, macht es gut!

Perma-Mischkultur bringt einen essbaren Urwald hervor.

Perma-Mischkultur bringt einen essbaren Urwald hervor.

 

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Statt Neukauf einfach neu verwenden

Löwenzahn_um_sDie vergangenen Tage habe ich mich in fremden Küchengärten herumgetrieben. Und war dabei mehrheitlich bei Frauen zu Gast. Garteln Frauen also anders als Männer? Geht das Gemüsegarteln eher Frauen etwas an, derweil Männer das Grün zum Fußballrasen trimmen und den 70 Quadratmeter-Kinderspielplatz designen?

Frauen-Gärten sehen anders aus. Sie zeigen viel Improvisationsgeschick und Kreativität. Männer würden an solchen Plätzen, neben eines Siedlungshauses am Rand eines Baches mit Lehmboden, wohl kaum zu garteln beginnen – ich unterstelle euch das jetzt mal pauschal. Weil einen Lehmboden mühsam in Beete verwandeln, wenn nichts anderes da ist als Grasschnitt rund ums  Siedlungshaus zum Mulchen. Ich denke, das tut sich kaum ein Mann an. Der fährt lieber in den Baumarkt und kauft sich ein Hochbeet, füllt es mit ein paar Säcken gekaufter Erde und Ende an der Fahnenstange.

Oder der Grund, dass sich meist Frauen diese Heidenarbeit antun, ist, sie verfügen über weniger finanzielle Mittel, sich schöne superteure Hochbeete oder den Designer-Hühnerstall zu kaufen. Rund ums Urban Gardening entsteht ja bereits eine eigene Industrie mit vielen Produkten, die an unserem Konsumverhalten nichts ändern. Wir verbrauchen weiterhin enorme Mengen an Ressourcen, das Business geht weiter, wie gehabt. Es ist jetzt einfach nur gartlerisch grün geworden. Frauen mit ihren geringeren Einkommen können dabei nicht mithalten. Sie müssen sich Strategien überlegen, wie sie trotzdem einen Küchengarten gut bestellen können. Diese Strategien liegen in einer Neuverwendung der bestehenden, bereits produzierten Dinge, im Erfahrungswissen wie der Selbstvermehrung des Saatgutes und alter gärtnerischer Kulturtechniken. Frei vom Einsatz der Waren, die jetzt beinahe jeder Baumarkt unter dem Titel „Urban Gardening“ führt.

Diese Gärten der Frauen sind nicht groß, haben in vielen Fällen maximal 100 Quadratmeter Fläche und doch wächst in ihnen alles, was  die Küche benötigt. Wir fanden sogar noch Kohl vom Vorjahr, der super überwintert hat und jetzt noch in der Küche Verwendung findet. Und wir pflückten frisches Ruccola-Grün, Löwenzahn- und Gänseblümchen-Blüten für den Salat bei meinen Rundgängen mit den Gastgeberinnen. Gärten in Frauenhand sehen einfach anders aus. Sie sind ein Abbild an Improvisationsgeschick und Kreativität. Das ist meine Erkenntnis dieser Besichtigungen.

Auch bei einem Permakulturisten-Paar war ich zu Gast. Er meinte: Die Permakultur käme wohl eher von den Frauen, entspräche ihnen mehr, weil er als  Mann lieber das Material kauft, das er für den Garten benötigt. Das habe er so drin, dieses alte Verhaltensmuster: Planen- Einkaufen-Bauen. Aha, bestätigt sich hier also mein Verdacht von oben? Männergärten = Heimwerker-König. Frauengärten = Improvisationsgeschick.

Das könnte wohl so sein, wenn der Hühnerstall aus Paletten und Plexiglas, Altholz und ausrangierten Luftmatrazen besteht. Da las ich doch unlängst dazu etwas bei Sommer/Welzer in „Transformationsdesign“: Eine ökologische Wende herbeizuführen gelänge nur, wenn wir dem Bestehenden eine Neunutzung zuweisen. Damit verbrauchen wir weniger und geben den Dingen einen weiteren Nutzen, einen Neuwert, erhöhen ihre Wertigkeit. Das wäre Transformationsdesign pur, so die beiden Autoren. Die Luftmatraze neu ist dann die Wärmedämmung im Hühnerstall. Die Baupalette neu der Bodenrost für Hühner. Das Plexiglas-Teil für Terassenabdeckung neu dann die Wand des Hühnerstalls. Sind Frauengärten also ein Ausdruck nachhaltigen Transformationsdesigns?

Wieder in einem anderen Garten wird Schwemmholz verwendet. Als Sichtschutz zur Straße hin, an dem sich allerlei rankendes Grün klammert. Und Flusssteine begrenzen die Beete. Die Steine kommen aus einer nahen Klamm. Das Schwemmholz vom Fluss im Tal. Richtig! Dieser Garten gehört auch einer Frau. Selbst der Rosenbogen ist für Stangenbohnen als Rankgerüst vorgesehen. Rosenbogen neu = Stangebohnen-Bogen. Das ist Transformationsdesign!

Also liebe Frauen, die ihr eure Küchengärten bewirtschaftet. Seid kreativ und gebt den Dingen eine Neuverwendung. Ihr seid damit ganz nah am Puls der Zeit.

Wer mehr über das Thema des ökologischen Wandels lesen will, wird mit dem oben zitierten Buch gut bedient sein. Mir hat es jedenfalls gefallen, da es zeigt, wir müssen Konkretes tun, statt zu jammern, zu demonstrieren oder laut unseren Unmut äußern. Wir müssen anpacken, bei uns selbst in unseren möglichen Rahmen. Wir müssen aus dem was machen, was bereits produziert ist und uns zur Verfügung steht. Ihr findet „Transformationsdesign. Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Moderne“  unter diesem Link.

 

Übrigens: Ich höre hier auf. Die Inhalte hier werden auf ein Blog übersiedeln, die Informationen rund ums Küchengarteln mit Links, Ansprechpartner, Hintergrundinfos,… gehen auf  gutesausdemkuechengarten.com weiter. Ab 1 April ist dieses Blog hier offline. Alle hier veröffentlichten Artikel ziehen ebenfalls um auf http://www.gutesausdemkuechengarten.wordpress.com. Und können dort dann nachgelesen werden.

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Permanente Kultur für mich

200Derzeit laufen bei mir die Vorbereitungen, dieses Blog zu beenden. Das Informationsportal „Gutes aus dem Küchengarten“ ist bereits geöffnet. Ein Projekt mit einem Partner wurde eingereicht. Weitere  Projektvorhaben sind in Vorbereitung. Die Berichte darüber laufen ab sofort auf dem Blog von „Gutes aus dem Küchengarten“ sowie auf meinem Internet-Tagebuch über mein simples Leben.

Außerdem fiel die Entscheidung, mich im Bereich lokaler Lebensmittelproduktion und Selbstversorgung weiterzubilden. Weil mir infolge dieser Ausbildung ein Job im Medien- und Forschungsbereich zu Nachhaltigkeit in Wien in Aussicht gestellt wurde.

Was werde ich tun? Ich lasse mich zur Permakultur-Designerin ausbilden, und zwar nach alter Schule, nach Bill Mollison. Dabei geht es auch um Ethik und die Haltung, welche Permakultur vermittelt bzw. vermitteln soll. Denn einfach nur Hügel oder Teiche bauen, ist mir zuwenig. Ich möchte mich schließlich an den Spruch halten: Wir sind hier auf dieser Welt, um das, was wir tun, mit besten Kräften zu tun. Wir müssen unser Bestes geben.

Das Beste geben in der Permakultur bedeutet für mich: intakte Kreisläufe schaffen, die eigene Lebenseinstellung an die Rhythmen der Natur anpassen und voller Einsatz für Artenvielfalt und einen schonenden Umgang mit diesem Planeten und auch im Miteinander. So fügt sich diese Ausbildung in mein Konzept eines Simplen Lebens, gemäß des Blogs darüber, ebenfalls perfekt ein.

Für-Sorge walten lassen

Was mir an der Permakultur so gefällt, ist der  Care-Gedanke: Earth Care, People Care, Fair Share. Für-Sorge um den Planeten, um die Menschen und gerechtes Teilen, was auch eine Veränderung der eigenen Lebensweise und Werte einschließt.

In einer solchen Haltung der Für-Sorge sehe ich auch Augenhöhe gegenüber Wissenden und Lernenden. Es gibt nur eine Autorität oder Hierarchie, nämlich die Natur, die uns lehrt, wie sie uns beschenkt und wie wir dieses Beschenken weiter aufrecht erhalten, sodass es sich immerwährend erneuern kann.

Permanente Kultur im Garten, im Alltag, permanente Kultivierung unserer Lebenskonzepte, das ist für mich Permakultur. Und es ist auch höchste Zeit, diese Botschaft zu den Frauen unserer westlichen Gesellschaft zu tragen. Vandana Shiva, eines meiner Vorbilder,  „…vertritt eine feministische Ökologie und hält das oftmals sehr lineare und zweckgerichtete Denken zahlreicher Männer für ungeeignet, um nachhaltig und ökologisch zu handeln“ (Jürgen Streich: Vorbilder. Menschen und Projekte, die hoffen lassen. Der Alternativer Nobelpreis. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kamphausen: Bielefeld 2005, S.425). Shiva schließe ich mich hier an. Permakultur ist weiblich. Für-Sorge für das Leben auf dieser Welt ist weibliche Pflicht.

Wo mache ich meine Ausbildung? Bei Perma-Norikum. Sie startet am 8. April 2015 und schließt am 10. Juni mit einer umfangreichen Prüfung ab. Wer noch mitmachen will, kann sich gerne anmelden. Es gibt noch Plätze.

Zwischenzeitlich ist auch mein erstes Buch als Projekt des Kreativ-Labors „KüGa-Lab“, welches dem Informationsportal „Gutes aus dem Küchengarten“ angeschlossen ist, erschienen. „Ich werde Bauer“ schildert die Geschichte meines Großvaters, er war ein Quereinsteiger in die Landwirtschaft, und gibt umfangreich Auskunft darüber, wie im 21. Jahrhundert eine Hofübergabe außerhalb der familiären Erbfolge erfolgen kann. Ein Buch für QuereinsteigerInnen in die Landwirtschaft also, für Deutsche und für Österreicher geeignet.

 

In eigener Sache:

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Wieder mal ein Buch: „Die Wiederkehr der Gärten“

Es gibt so tolle Bücher über Subsistenzwirtschaft und das Gute Leben. Es gibt noch viel mehr an tollen Frauen, die als Soziologinnen, Agrarwissenschaftlerinnen, Landschaftsplanerinnen, Ökonominnen und Ökologinnen in diese Richtung forschen. Es gibt aber leider immer noch die Dominanz der Herren, welche sich über Subsistenz und drohende ökologische und soziale Krisen hinwegsetzen oder sich selbst als eine Art Retter dieser Probleme öffentlich ins Rampenlicht stellen und dort feiern lassen.

Kein Wunder also, wenn einem das Buch  „Die Wiederkehr der Gärten“ nur nebenbei in die Hände fällt. Weil man selbst lernte, den Blick auf Männer zu richten, die zu den Themen Subsistenz und Soziales scheinbar etwas zu sagen haben. Dabei ist doch die Fürsorge um das Leben auf diesem Planeten besser in Frauenhänden aufgehoben. Die nebenbei, so mein Eindruck, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen die weitaus anschaulicheren und Praxis tauglicheren Bücher darüber schreiben. Also wundert es mich wenig, dass auf diesen Umstand der männlichen Dominanz in der Danksagung des oben zitierten Buches mit folgenden Worten verwiesen wird:

„Dieses Buch entstand zunächst als Dokumentation einer Adhoc-Gruppe…im Beiprogramm zum Deutschen Soziologiekongreß 1998 in Freiburg. Im Beiprogramm deshalb, weil…die entscheidenden Herren Professoren der Auswahlkommission vom Wiederauftauchen einer überlebensnotwendigen Kleinstlandwirtschaft,…, trotz Globalisierungsdebatte und Wissen um Verarmungsprozesse – sagen wir – „lieber doch nichts wissen wollte“. (ebda, S. 7.)

Die Herausgeberinnen, Anne Holl und Elisabeth Meyer-Renschhausen,  verweisen auch noch, dass Aufsätze zu diesem Buch als Folge der Vorbereitungen zur internationalen Konferenz „Perspektiven der Kleinstlandwirtschaft in Stadt und Land“ hinzukamen. Diese Konferenz, die von 21. bis 25. Juli 2000 in Berlin lief, behandelte die „soziale und ökologische Notwendigkeit von Gärten als…/einer/ ‘weiblichen Ökonomie‘ „.

Wenn wir also über Gartenwirtschaft und Kleinstlandwirtschaft sprechen, dann sind wir gut daran gelegen, einmal die dahingehend forschenden Frauen und ihre Aussagen anzuerkennen. Eine solche Anerkennung gelingt durch die Lektüre von „Die Wiederkehr der Gärten“. Sie verändert das Bild vom Kontext des Urban Gardenings, Community Gardenings und der Kleinstlandwirtschaft, weil wir diese besondere Gartenwirtschaft vordergründig gerne als Trend, als schicken nachhaltigen Lifestyle einer ganz besonders bewussten KonsumentInnen-Gruppe sehen. Dabei ist das Garteln zur Selbstversorgung immer im Zusammenhang mit einem Anstieg von Armut und dem Versagen sozialer Strukturen zu betrachten.

Meyer-Renschhausen und Holl bieten als Herausgeberinnen der unterschiedlichsten Beiträge dieses Buches einen Querschnitt durch die Geschichte der Küchengärten. Vom Ackerbürgertum über die Schrebergartenkolonien der Zwischenkriegszeit, die auch als WIderstandszellen gegen das NSDAP-Regime dienten. Bis hin zu Beiträgen über die Kleinstlandwirtschaft in afrikanischen Städten, in Havanna und den Hausgärten der Mayas sowie den Community Gardens in New York. Mit einer solchen Antwort auf Armut und Verwahrlosung bekommt man als LeserIn ein umfassendes Bild des Themenfeldes vermittelt. Dabei wird auch nicht mit Kritik gespart. Die Beiträge zeigen Vor- und Nachteile der unterschiedlichsten Gartenbewegungen auf. Und kritisieren durchaus auch die Politik, die in deutschen Städten die Kleingärtnerei in den 1990er Jahren bzw. zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches zu behindern schien.

Ein Thema zieht sich durch das Buch: Kleinstlandwirtschaft und subsidiäre Gartenwirtschaft findet immer Anklang in Zeiten steigender Verarmung „angesichts der Erwerbslosigkeit“ des Mittelstandes (ebda, S.37.).

Fazit: Das Buch sollten alle lesen, die nach Argumenten für ihre Gemeinschaftsgarten-Projekte suchen. Das Thema ist aktueller denn je, in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise und des Booms der Urban Gardening Bewegung in Europa.

Sie werden als LeserIn auch Anregungen finden, wie man in der Vergangenheit diese Gärten bewirtschaftete, sodass eine Subsistenzwirtschaft mit ihnen möglich wurde. „Die Wiederkehr der Gärten“ wird aber auch mit so manchen unbekannten Details überraschen können. Alles in allem ein gut lesbares Dokument über die „weibliche Ökonomie“. Und ein Motivator für das eigene Tun in diesem Zusammenhang.

Die Zusammenstellung der Autorinnen und Autoren für dieses Buch zeigt die bunte Vielfalt des Themas. Von der Kulturwissenschafterin, Historikern, Landschaftsplanerin, Biologin und Agrarwissenschaftlerin bis hin zum Ökologen, Soziologen und Professor für Gartenbaukultur und Freiraumgestaltung ist die volle Bandbreite des Themenfeldes vertreten. Gut auch, dass es internationale Beiträge gibt.

Leider ist das Buch nicht mehr im Buchgroßhandel verfügbar. Man kann es aber direkt beim Verlag bestellen, was ich als Küchengarten-Aktivistin nur allen Gleichgesinnten empfehlen kann.

Die Wiederkehr der Gärten. Kleinlandwirtschaft im Zeitalter der Globalisierung. Hrsg. v.  Elisabeth Meyer-Renschhausen und Anne Holl. Innsbruck: StudienVerlag 2000. Taschenbuch, 229 Seiten. ISBN 3-7065-1534-2

PS: Jetzt umziehen auf die neue Küchengarten-Seite mit Blog. Dieses Blog läuft nämlich mit Ende März aus!

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Saatgutverordnung – Du bist formell vom Tisch!

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Auf diesem Markt unterschrieb auch ich die „Freiheit für die Vielfalt“.

Gestern kam die Meldung über die Presseagenturen. Die Saatgutverordnung ist vom Tisch. Das freut uns KüchengärtnerInnen auch. Der Widerstand und der Einsatz für die Sortenvielfalt haben sich also gelohnt. Petitionen machen  Sinn.

Weil ich dieser erfreulichen Neuigkeit nichts hinzuzufügen habe, will ich hier einfach den Text von Global2000  sprechen lassen. In Österreich waren maßgeblich gegen die Saatgutverordnung die NGO Global2000 und die Arche Noah aktiv. Hier geht’s zum Originaltext, der unten kursiv gestellt zitiert ist.

Vielen Dank an alle, die mit unterschrieben haben und diese beiden Institutionen unterstützten. Die mit möglich machten, was anfangs hoffnunglos schien. Die Zahlen zeigen, dass das Bewusstsein für die Sortenvielfalt in Österreich besonders ausgeprägt ist.

Wenn jetzt auch die Saatgutverordnung vom Tisch ist, so stellt sich einem die Frage: Kann man diesen Entscheid mit dem TTIP wieder kippen? Frau Merkel drängt heute auf einen positiven Abschluss der Verhandlungen zu diesem Freihandelsabkommen. Lasst uns wachsam bleiben. Wir brauchen keine Freihandelsabkommen, die Konzerneliten Einspruchs- und Klagsrechte billigen, wenn diese ihren Profit gefährdet sehen. Unser Handel ist schon frei. Wir können frei mit unserem Saatgut unter uns Küchengartlern handeln. Bewahren wir uns dieses Recht auf Selbstbestimmung.

 

Ein Jahr nach der Abstimmung im EU-Parlament, wo die EU-Saatgut-Verordnung mit einer überwältigenden Mehrheit abgelehnt wurde, zieht die EU-Kommission ihren Vorschlag nun endlich formell zurück. EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die Verordnung, allein in Österreich unterstützen rund 500.000 die Petition „Freiheit für die Vielfalt“.

Seit der Vorstellung des Arbeitsprogramms der Juncker-Kommission vergangenen Dezember war das Los der EU-Saatgutverordnung offen geblieben. Die EU-Kommission hatte erwogen, die alte, gescheiterte EU-Saatgutverordnung abgeändert nochmals vorzulegen statt sie zurückzuziehen und durch einen gänzlich neuen Entwurf zu ersetzen. Der wesentliche Unterschied: Während bei einem neuen Entwurf eine Folgenabschätzung und das Anhören aller Stakeholder, z.B. auch der NGOs, zwingend sind, fallen sie bei einer Überarbeitung weg. Nur durch das Engagement der genannten Beteiligten konnte das abgewendet werden. Die EU-Kommission behält sich vor, noch während dieser Amtsperiode einen ganz neuen Entwurf des heute geltenden EU-Saatgut- und Pflanzgutverkehrsrechts vorzulegen. Sollte die Reform tatsächlich fortführen wollen, fordern wir gemeinsam mit ARCHE NOAH neben einer grundlegenden Neuausrichtung der Gesetzgebung höchste Sorgfalt bei der Ausarbeitung eines neuen Entwurfes.

Die EU-Saatgutverordnung bedrohte die Vielfalt an Gemüse, Getreide und Obst in Europa. Am 11. März 2014 hatte das scheidende EU-Parlament die EU-Saatgutverordnung mit einer breiten Mehrheit zurückgewiesen.

 

In eigener Sache:

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Garteln gegen Armut

Insgesamt mehr als 20 Flaschen Traubensaft eingekocht. 16 waren für mich bestimmt. Foto: Wohofsky-Images

Vorräte in der Speisekammer schonen das Budget.

Ich habe nun wieder das Bloggen über einen simplen Lebensstil aufgenommen. Weil dort so viele Leute aufs Blog gehen und dieses Thema scheinbar immer wichtiger wird. In Zeiten, wo die Teilzeitjobs zunehmen und besorgniserregende Zahlen über Armutsgefährdung in Deutschland und Österreich kursieren, kann es von Vorteil sein, das eigene Leben zu vereinfachen. Freier zu werden von Belastungen und das Haushaltseinkommen besser einteilen zu können.

Nun können auch KüchengärtnerInnen etwas zum Haushaltsbudget beitragen. Schließlich ist in Zeiten einer „tough economy“, also in wirtschaftlich schwierigen Situationen, ein robustes Haushalten gefragt. Robust gegenüber äußeren Störungen wie plötzliche Einkommensausfälle, überraschende Neuanschaffungen, längere Zeiten der Arbeitslosigkeit. Nachweislich wird nämlich am Einkauf von Lebensmitteln zuerst gespart, wenn man knapp bei Kasse ist. Und das muss nicht sein, wenn man einen Küchengarten hat.

Also lassen sich Nahrungsmittel auf verschiedene Weise besorgen. Man kann sie selber anbauen, man kann Überschüsse von anderen Gärten annehmen oder Wildkräuter, Wildgemüse und Wildobst sammeln. Diese Nahrungsmittel verarbeiten, trocknen, einlegen und mit ihnen Vorratswirtschaft betreiben. Automatisch wird sich der Ernährungsstil dabei verändern, weg von Fertigprodukten, hin zu täglich frischem Kochen und Vegetarisches wird vermutlich überwiegen.

SOMA und Tafel müssen nicht sein

Bei Sozialmärkten einzukaufen, bei Tafeln zu essen oder das Dumpstern in Müllcontainern hinter Supermärkten stellt für mich keine Form einer nachhaltigen Nahrungsmittelbeschaffung dar. Warum? Weil man auf die „Abfälle“ und Spenden anderer angewiesen ist. Man zum Bittsteller wird, und dieses Bittstellen der Selbstachtung und dem Selbstwert schadet.

Wer hingegen Nahrungsmittel selbst anbaut, sie sammelt und weiter verarbeitet, dem wird damit die Selbstachtung zurückgegeben, und man empfindet diese Arbeit als sinnvoll und wertvoll. Selbstachtung und Selbstwert sind höchstes Gut für ein gutes Leben!

Und alle GemeinschaftsgärtnerInnen, mit denen ich in den vergangen zwei Jahren sprach, erzählten mir, dass in ihren Gärten auch Langzeitarbeitslose tätig sind. Oder Menschen, die einfach durch das soziale Netz fielen. Beim Garteln aber lernen sie wieder Selbstachtung und erkennen, was Sinn im Leben macht. Garteln ist auch Therapie gegen die scheinbare Hoffnungslosigkeit der eigenen Situation mit einem hohen Erfolgs- und Selbsthilfepotenzial. Wer Gärten sucht, wird vielleicht hier fündig.

Bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln wird dem persönlichen Netzwerk ein wesentlicher Aspekt beigemessen. So hat der eine das Getreide auf dem Acker, der andere mahlt es in seiner Mühle, wieder andere Menschen im eigenen Netzwerk verfügen über Kenntnisse des Kräutersammelns und über Wildgemüse, bringen handwerkliche Fertigkeiten ein. Andere haben Zugang zu Obstgärten, deren Überschüsse bezogen werden können. Dieses Netzwerk ist individuell erweiterbar, auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Und muss von uns selbst aufgebaut werden! Subsistenz bedeutet nämlich: Arbeit in Gemeinschaft für das, was wir für ein gutes Leben brauchen.

Auch ich verfüge über ein solches Netzwerk. So liefert mir beispielsweise mein Bruder das Brotgetreide, Kartoffel und Kürbis von seinem Biohof in Permakultur. Eier bekomme ich von einer Eier-Bäuerin, bio natürlich, auf der anderen Talseite. Eben kaufte ich einen Korb voll großer Eier, unter denen sich auch Doppeldotter Eier befinden. Diese Eier bekommst du nicht im  Laden, weil sie zu groß für die Verpackungsnormen der Supermarktketten sind.

Mein Umfeld weiß aber auch, ich nehme gerne Obstüberschüsse an und verarbeite sie weiter. Solche Vorräte bereichern jetzt noch meinen Speiseplan und entlasten aktuell mein Haushaltsbudget mit rund 30 Euro im Monat (Kräutertees, Kräutersalze, Kräuteressige, eingelegte Gemüse, Marmeladen, Kompotte und Säfte – alles bio natürlich). Gemüse, das nicht in meinem Garten wächst, kaufe ich am Bauernmarkt in der Stadt, der von Kleinbauern der Region befahren wird.

Wichtig bei der Netzwerkgestaltung ist, die unmittelbare Nachbarschaft muss einbezogen werden. Man bleibt also auf lokaler, höchstens regionaler Ebene. Dann kann man auch von einer lokalen Versorgung mit Lebensmitteln sprechen. Über die  Notwendigkeit einer solchen spricht ja auch Niko Paech, wenn er von Wirtschaftsstrukturen nach der Wachstumsökonomie erzählt. Diese Strukturen werden aber von uns selbst als Konsumenten aufgebaut und entstehen nicht durch politische Verordnungen von oben. Sie liegen in ihrem Bestehen in der Hand der Konsumenten.

Wenn wir zum Küchengarteln beginnen, dann arbeiten wir auch in Gemeinschaft mit anderen in unserer Nachbarschaft. Darauf sollte der Fokus gerichtet sein. So lässt sich tauschen, zusammenhelfen und gemeinsam Geld sparen. So kann man auch Geräte teilen, Saatgut teilen, Arbeit teilen, Ernten teilen. Das ist auch der Sinn im gemeinschaftlichen Tun. Und wenn man den Trendforschern glaubt, werden wir immer mehr Zeit bekommen, uns mit der Versorgung von Lebensmitteln beschäftigen zu können. Die vielen Teilzeitjobs und geringfügigen Anstellungen machen es möglich.

 

Wer mehr über ein einfach bewusstes, gutes Leben mit wenigen Dingen erfahren möchte, dem empfehle ich dieses Blog. Zum Küchengarteln geht es aber hier. Diese Seite ist NEU und stellt ab sofort ein Informationsportal für alle Küchengärtnerinnen und Küchengärtner dar, und jene, die es werden wollen. Hintergrundinformationen sind der Schwerpunkt. Dazu gibt es Praxistipps, einen Marktplatz, Vernetzungsmöglichkeiten, Bücher und vieles mehr. Auf der gleichnamigen Facebook-Seite findet ihr täglich um 12 Uhr einen KüGa-Tipp für eure Gartlerei und Gleichgesinnte.

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Ein Aufstrich muss her!

In den Supermärkten sehe ich immer nur die ewig gleichen Aufstriche in den Regalen liegen. Dabei gibt es doch ihrer soviel mehr.

Ein neues Buch zeigt jetzt, wie „Richtig gute Aufstriche“ zubereitet werden. Denn die Küchengärtnerin will Abwechslung auf ihrem Menüplan haben. Schließlich wachsen so viele Wildkräuter, Blumen und Gemüse auch im eigenen Garten, die man zu Aufstrichen veredeln kann. Als Gastgeschenk oder einfach nur zur Jause schnell nach der Gartenarbeit.

Am Aschermittwoch bekam ich keinen Heringsalat mehr, dafür aber ein wenig Räucherlachs. Und das Buch lag auf meinem Schreibtisch. Also wurde „Richtig gute Aufstriche“ gleich mal einem Praxistest unterzogen, zwei Fischaufstriche ausgewählt und schon ging es ans Rühren.

Die Angaben sind so gewählt, dass sie auch den Auge-mal-Pi KöchInnen gelingen und man ein wenig abwandeln kann. Die Aufstriche schmecken toll und lassen kreatives Restkochen zu. So gab ich zu den Kartoffel-Laibchen am Wochenende einen Rest vom Fischaufstrich. Die Laiberl waren ein Hit.

Das neue Buch der Autorin, welcher der Ruf einer ausgezeichneten Kochbuch-Schreiberin vorauseilt, macht Lust auf kreative Aufstrich-Küche. Die Klassiker, wie Rindfleischaufstrich, aber auch  „Kreative“ und „Elitäre“ (mit Blüten, Nüssen, Bier und Chili), „Vegetarische und Vegane“ sowie „Süße“ Spezialitäten lassen das Herz der Aufstrich-Liebhaber höher schlagen. Das noch einmal einen Hüpfer tut, wenn man bemerkt: Jedem Aufstrich ist ein Brot-Tipp beigegeben.

Damit es auch gelingt, gibt die Autorin am Beginn „wertvolle Tipps zum guten Gelingen“. Will sagen: Sogar einem Trottel gelingt jetzt die Aufstrichküche. Und das ist gut so, weil Aufstriche immer eine tolle Abwechslung darstellen und den Speiseplan bereichern.

Schön finde ich es, dass der Teil der „Vegetarischen Aufstriche“ gelungen ist. Weil ich schon so lange nach den Rezepten suchte, mit denen man Aufstriche auf Getreide- (Grünkern) und Gemüse-Basis zubereitet. Die findet man nun hier bei der Lipp. Was weniger gut gefällt: Veganer werden vom Buch enttäuscht sein. Zuviele Rezepte werden auf Basis von Milchprodukten wie Butter, Frischkäse und Topfen zubereitet. Vielleicht zehn vegane Aufstriche von insgesamt 90 gibt’s im Buch.

Im bewährten Löwenzahn-Stil des Verlages ist „Richtig gute Aufstriche“ insgesamt richtig gut. Großzügig bebildert (200 Fotos!), klare offene Grafik. Das Hardcover sagt: „Verwende mich, bis ich auseinander falle, was ich nicht tun werde, weil ich alles aushalte!“ Mit der Fadenbindung lässt sich dieser neue Wurf des Innsbrucker Traditionsverlages auch gut aufschlagen, das Buch fällt nicht wieder zu. Es hält den Alltag eben aus.

Eva Maria Lipp ist mit ihren Rezepten zum Selbermachen ein richtig guter Tipp geworden. Ob Brot backen oder Aufstriche bereiten. Die Lipp gehört in Griffnähe  jeder Küche. Und die Aufstriche gehören ausprobiert, auch von uns KüchengärtnerInnen.

Eva Maria Lipp: Richtig gute Aufstriche. Die besten Rezepte zum Selbermachen. Löwenzahn: 2015. 216 Seiten, die sich auszahlen! Und was ich an dem Verlag auch mag: er liefert portofrei in A und D. 🙂

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Welches Gemüse soll ich anbauen?

Perma-Mischkultur bringt einen essbaren Urwald hervor.

Perma-Mischkultur bringt einen essbaren Urwald hervor.

Jedes Jahr beschäftigt mich die Frage: Welches Gemüse wird heuer gepflanzt? Neben den Must-Haves wie Tomaten, Zucchini, Stangenbohnen, Salate und meinen Kräutern plane ich auch immer Neues ein. Außerdem gibt es Erfahrungswerte aus dem Vorjahr, was gut wuchs und einen guten Ertrag brachte. Und von was man eher die Finger lassen sollte.

Wie wähle ich meine Gemüsesorten aus, die angebaut werden? Mein Speiseplan bestimmt die Wahl wesentlich mit. Ich esse gerne mediterrane Küche und viel Gemüse. Meine Ernährung ist großteils vegetarisch. Also versuche ich meine Lieblingsgemüse in Einklang mit dem möglichen Platz in meinem Küchengarten zu bringen.

Man kann auch das täglich verwendete  Gemüse (Kräuter, Salate, Radieschen, Cocktailtomaten,…) nahe am Haus anbauen. Und jene Sorten, welche man nur ein oder zwei Mal in der Woche erntet, in einem etwas entfernteren Gemeinschaftsgarten kultivieren. Dort können Zucchini, Fleischtomaten, Kürbisse, Bohnen, Kartoffeln, Kraut, Kohl,… gemeinschaftlich gezogen werden. Vielleicht gehen sich dann dort auch noch ein paar Hühner aus. So ist für Eier gesorgt.

Bei der Wahl der Küchenkräuter gehe ich ähnlich vor. Ergänze sie aber noch um ihren heilenden  Aspekt, ganz auf mich abgestimmt. Fängt man sich also leicht einen Schnupfen oder Blasenentzündungen ein, kann man entsprechend die Kräuterauswahl für den eigenen Küchengarten gestalten. Wer  Kinder hat, sollte Kräuter gegen Erkältung, Husten, Grippe und Schnupfen selbstverständlich anbauen.  Eine gute Übersicht zu den Kräutern, die uns helfen, gesund zu bleiben, bietet das einzigartige Werk von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten.

Hirsch-Grünberger sind für mich die selbe „Bibel“ wie der Gärtner Pötschke. Nur eben auf Kräuter bezogen. Dieses Buch leistete mir im Vorjahr beste Dienste, weil es über einen großartigen Index verfügt und man sogar nach Krankheiten suchend die passenden Kräuter findet. Die Rezepte für Sirupe und Verarbeitung der Kräuter sind auch eine Klasse für sich.

Zurück zum Kuchelgarten. Wenn ich meine  Hitliste an Gemüsen schreibe, die angebaut werden, dann berücksichtige ich dafür auch immer die Regeln der Fruchtfolge und Mischkultur. Ergänzt durch die Bewirtschaftungsmethoden der Permakultur  lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Die herkömmlichen Ertragsprognosen von 2 bis 3 Kilogramm Gemüse je Quadratmeter Garten können mit Perma-Mischkultur um das Doppelte gesteigert werden, ohne dass der Boden darunter leidet.

Wer mit dem Bepflanzen mit dem Mondkalender arbeiten will, findet hier eine echt lässige Online-Version dazu. Ja, ich weiß, das gilt für manche Kopfmenschen als esoterischer Schmarrn und regt sie ungeheuer auf. Wir wissen es bereits. Also lest einfach drüber hinweg, wenn euch das nicht passt! Lasst doch mal eine Andersmeinung auch zu. Danke.

Also, ab ins Beet mit euch. Denkt noch dran, der Ertrag bei Erdbeeren geht nach dem dritten Jahr zurück. Düngt sie höchstens jetzt im März/April, beispielsweise mit Effektiven Mikroorganismen. Dann blühen sie gut, und lasst nach der Ernte die Ableger anwurzeln. Diese ergeben dann wieder neue junge Erdbeerpflanzen, die man in ein zweites Erdbeerbeet setzt. So bekommt man jährlich Nachwuchs und kann diesen auch noch durch den Zukauf neuer Pflanzen ergänzen. Am meisten tragen Erdbeeren im zweiten und dritten Jahr.

Und – gebt euren Kids auch einen Platz im Küchengarten, damit sie einen Bezug zur Natur finden.

 

IN EIGENER SACHE:

Auch ich werde das Bloggen hier beim Stern einstellen. Bis Ende März gibt es noch „Gutes aus dem Küchengarten“ als Sternstimme. Parallel dazu geht aber nächste Woche die neue Seite für Kuchelgartler und alle,  die es werden wollen, unter der  Adresse http://www.gutesausdemkuechengarten.com online. Tägliche KüGa Tipps gibt es sowieso auf der Facebookseite.

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Armutskonferenz und Kinder verlieren Bezug zur Natur

Kinder verlieren den Bezug zur Natur und die prekären Lebenssituationen nehmen ebenfalls zu. In Salzburg läuft derzeit die Armutskonferenz. Die deutsche Wildtierstiftung schreibt heute, dass unseren Kindern der Kontakt zur Natur fehlt. Dabei wäre es so einfach. Wir brauchen nur mehr Küchengärten, in jeder Stadt, in jedem Quartier, jedem Dorf anzulegen. Einfach überall, wo Menschen zusammenleben und arbeiten. Dort gehören gemeinschaftliche Gärten angelegt, anstatt auf grünen Wiesen Parkhäuser oder Einkaufszentren zu errichten.

Wahr ist, immer mehr Menschen in Deutschland und Österreich im arbeitsfähigen Alter sind erwerbslos. Und das auf lange Sicht. Auch wenn diese Menschen gut ausgebildet sind und über Fachqualifikationen verfügen. Dauerhafte Arbeitsverhältnisse in Vollzeit werden immer seltener. Und wer arbeitet und trotzdem zuwenig für die Bestreitung des Lebensunterhaltes verdient, der gerät schnell in die Armutsfalle.

Mein Impuls heute sieht so aus: Setzen wir uns doch zusammen und legen wir in diesem Jahr Gemeinschaftsgärten an. Überall, wo es möglich ist. Schließlich findet das Urban Gardening, das gemeinschaftliche Nutzgarteln immer öfter Eingang auch in politische Programme. Und der Handlungsbedarf dazu wird auch immer öfter erkannt.

Wer sich selbst aus seinem Küchengarten mit Nahrungsmitteln versorgen kann, der spart bares Geld, um dieses für jene Dinge zu verwenden, die man nur mit Geld begleichen kann. Küchengarteln zur Selbstversorgung kann somit zu einer Gewinn-Situation führen. Wir gewinnen wieder finanziellen Spielraum und gleichzeitig gesunde Lebensmittel für uns selbst. Außerdem könnten wir uns an CSA-Landwirtschaften in unserer Region beteiligen. Mit einem jährlichen Beitrag ermöglichen wir so den Kleinstbauern gesunde Lebensmittel für uns zu erzeugen und ihnen ein sicheres Einkommen.

Derzeit plane auch ich eine Kostenreduktion bei gleichzeitiger Suche nach für die Selbstversorgung besser geeignete Wohnverhältnisse. Dafür fand ich eine Kalkulationstabelle für das Haushaltsbudget. Sehr hilfreich, kann ich nur sagen. Ihr findet sie unter diesem Link. Schließlich wollen wir ja alle ein gutes Leben führen.

Wünsche noch schönen Tag und am Wochenende gibt es wieder mal einen längeren Beitrag. Eure heute etwas nachdenkliche Küchengartlerin.

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Pilze aus dem Küchengarten

Igelstachelbart, Speisepilz. Foto: http://de.wikipedia.org/wiki/Igel-Stachelbart

Igelstachelbart, Speisepilz. Foto: http://de.wikipedia.org/wiki/Igel-Stachelbart

Seit dem vergangenen Sommer denke ich über die Schwermetall- und Cäsiumbelastung in Wildpilzen nach. Zumal (österreichische) Behörden für meine Begriffe zu pauschal informieren und man selbst eher sorglos Pilze sammelt. Nachweislich gilt aber, dass in Berggebieten die Cäsiumbelastungen und Schwermetallbelastungen vorhanden sind.

Pilze gehören jedoch für mich zum Küchengarten dazu. Sie sind Teil des großen Küchengartens, nämlich die Natur um uns herum. Und sie gehören zu einer vegetarischen Ernährung.

Was also tun, wenn man in einer Region lebt, die nachweislich noch über hohe radioaktive Belastungen seit Tschernobyl verfügt? Man beliebte Speisepilze wie Schweinsohr, Zigeuner,… meiden oder Eierschwammerl und Herrenpilze in geringen Mengen nur genießen soll. Eine Lösung könnte der Selbstanbau von Pilzen darstellen. Dazu gibt es jetzt ein neues Buch vom Löwenzahn-Verlag.

Die Autoren,  Magdalena und Herbert Wurth, betreiben einen Pilzgarten im österreichischen Waldviertel. In „Pilze selbst anbauen“ geben sie ihre Erfahrungen mit der Pilzzucht im Biogarten, aber auch auf dem Balkon oder im Keller oder in der Küche weiter. Für mich völlig neu war, dass man Pilze auch in einer Wohnung ziehen kann. Die Pilzzucht im Keller (Champignons) oder auf der Terrasse, dem Balkon (Shiitakes am Baumstumpf) war mir bekannt.

Überraschend war auch zu lesen, wieviele Arten an Speisepilzen der Kuchelgartler selbst kultivieren kann. Und, dass es Gemüsesorten gibt, die in Mischkultur (!) mit Schopftintlingen, Arten des Seitlings, Stockschwämmchen, Nameko und  Shiitake angebaut werden. Pilzzucht im Gemüsegarten funktioniert mit Tomate, Gurke, Stangenbohnen, Erbsen, Zucchini und Kräutern wie Thymian, Basilikum, Borretsch, Minzen sowie Kapuzinerkresse.

Unlängst erklärte mir ein Kollege, er hätte leider nur einen Innenhof bei seiner Wohnung in Wien, in den nur wenige Sonnenstrahlen fallen. Ein schattiger Innenhof, in dem nichts wächst. Ich glaube, ich empfehle ihm dieses Pilzbuch. Es verfügt über ein eigenes Kapitel zur Pilzzucht in schattigen Innenhöfen und auf schattigen Balkonen – Pilze benötigen Schatten, pralle Sonne ist nichts für sie.

Das Buch zur Pilzzucht für uns Kuchelgartler enthält viele Bilder und Darstellungen mit Beispielen erfolgreicher Kultivierung von Speisepilzen. Die  Zucht der verschiedenen Pilzarten ist tabellenartig beschrieben. Ebenfalls genau erklärt man, wie das Substrat, auf dem die Pilze wachsen, erzeugt und geimpft wird. Wer kein Pilzlabor einrichten will, findet Bezugsquellen für pflanzbereite Pilzbrut in Österreich und Deutschland. Und die Autoren geben Tipps, wie mit Konkurrenzpilzen und Schädlingen (Schnecken) umgegangen wird.

Ich empfand das Lesen dieses Fachbuches höchst inspirierend. Nicht nur, weil der Igelstachelbart so exotisch aussieht und als exzellenter Speisepilz gilt. Ich diesen vorher nicht kannte. Auch die Rezepte und ein Kapitel zur medizinischen Bedeutung so mancher Speisepilze (Reishi), die man im Garten anbauen kann, beflügelten meine Gartenpläne. Die Seitlinge auf Baumstümpfen in Töpfen stehend oder Braunkappen im Pilzbeet lassen sich, so mein Eindruck, in beinahe jedem Kuchelgarten mit ein wenig Geschick kultivieren. Kräuterseitlinge unter Schatten spendender Kapuzinerkresse – sowas muss ich ausprobieren.

Das Buch rät mir aber auch, der Pilze züchtende Kuchelgartler tastet sich an dieses Thema heran. Beginnt mit einfach zu kultivierenden Arten und gelangt erst mit Erfahrung zur Königsdisziplin, der Champignonzucht und Kultivierung der Trüffel.

Ich muss unbedingt die Autoren, die Wurths, in ihrem Pilzgarten im Waldviertel besuchen! Bis dahin bleibt mir ein  inspirierendes Fachbuch.

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